Was ist eigentlich Zivilcourage? Das mit „Alltagsmut“ übersetzbare Wort beschreibt eine Situation, in der sich eine Person mutig für andere Menschen einsetzt, denen geschadet wird, obwohl sie dann selbst mit gefährlichen Situationen rechnen muss. Personen, die es sich zum Lebensziel gemacht haben, sich für andere Menschen in Not einzusetzen, waren das sudetendeutsche Ehepaar Oskar und Emilie Schindler, welche etwa 1200 Jüdinnen und Juden vor dem Tod bewahrten und sich dadurch selbst in Gefahr brachten.

Am 3. November hatten viele Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q2 die Möglichkeit, einen berührenden Vortrag von der deutsch-argentinischen Historikerin und Schriftstellerin Erika Rosenberg-Band, der sich mit dem Thema „Zivilcourage“ beschäftigte, in welchem sie erklärt, warum es heute immer noch wichtig ist, sich für Menschen in Not und von Diskriminierung betroffenen Personen einzusetzen und klar Stellung zu beziehen. Zudem vertraute uns Erika Rosenberg-Band ihre emotionale, jahrelange Freundschaft mit Emilie Schindler an, die sich in Auszügen in der von Rosenberg-Band geschriebenen Biografie über Emilie Schindler widerspiegelt.

Zu Beginn wurde es persönlich, denn Frau Rosenberg-Band erzählte uns ihre eigene Familiengeschichte. Die Argentinierin wurde 1951 in der am Río de la Plata gelegenen Hauptstadt Buenos Aires als Tochter deutscher Juden, die 1936 von den Nationalsozialisten über Paraguay nach Argentinien flohen, geboren. Ihre deutsch-jüdische Identität blieb jedoch auch auf der Südhalbkugel Teil von ihr, was sicherlich nicht immer einfach für sie war. Obwohl auch ihre Geschichte sehr traurig ist, schaffte sie es in dem 90-minütigen Vortrag uns alle zum Lachen zu bringen, welcher durch ihren Charme und dem konsequenten „Code-Switching“ von Deutsch zu Spanisch und Spanisch zu Deutsch, was anwesenden spanischen Muttersprachler wie mir, ein Gefühl von Nähe und Vertrautheit gab und mir ein Lächeln auf die Lippen zauberten – den anderen Schülerinnen und Schülern wohl eher ein Fragezeichen über dem Kopf.

Höhepunkt des Vortrages war die Geschichte zwischen Rosenberg-Band und Schindler, welche das Leben beider Frauen verändern sollte, um gegen das Vergessen der Schoah anzukämpfen und den Opfern und ihren Familien beiseitezustehen – auch knapp 80 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg! Die beiden Damen lernten sich 1990 in Argentinien kennen und wer hätte gedacht, dass sich aus diesem ersten Treffen eine 21-jährige Freundschaft bis zum Tod Emilies 2001 ergibt?

Selbstverständlich kann man nicht über die Schindlers sprechen, ohne sich auch auf den US-amerikanischen Spielfilm „Schindlers Liste“ zu beziehen. Auf den Film bezogen stellte uns Erika Rosenberg-Band einige Fehler des Filmes dar. Neben kleinen inhaltlichen Fehlern, die typisch für Verfilmungen sind, hat wohl Hollywood nicht gut in Geschichte aufgepasst, da einiges eingebaut wurde, was historisch falsch ist, wie beispielsweise die Tatsache, dass in ihrer Verfilmung Juden teilweise noch Geld und Eigentum besaßen, was zu dieser Zeit gar nicht mehr der eigentlichen Realität im Deutschen Reich darstellte, da sie zu diesem Zeitpunkt schon enteignet wurden. Des Weiteren lernten wir, dass Emilie –anders als im Film –neben ihrem Mann Oskar auch eine wesentliche Rolle im Widerstand und beim Schutz der Juden war und es sich lohnt, mit der Wahrheit zu beschäftigen.

Was konnten wir aus diesem Vortrag mitnehmen? Zeig Präsenz, setzt dich für Schwächere ein und ganz wichtig: Zeig Zivilcourage! Wir alle sahen es als eine besondere Ehre an Frau Rosenberg-Band bei uns an der Gesamtschule Gartenstadt zu Gast zu haben und freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit mit ihr und bedanken uns herzlich bei ihr für ihr Kommen und wünschen ihr alles Gute!

Julian Napolitano Barros